Tunnelausgang bei tosendem Meer

Elba: Wanderung von Enfola nach Biodola

Eine Sackgasse. Mitten auf dem Forstweg im Nirgendwo steht ein riesiges, stählernes Tor und versperrt uns den Weg. Es soll wohl keine Runde werden heute, aber bevor wir uns auf den Rückweg machen und damit Wege beschreiten, die wir schon kennen, legen wir frustriert erst einmal eine kleine Pause ein. Wir befinden uns auf dem Rückweg von Biodola. Aber ich fange von vorne an.

Im Rother Wanderführer für Elba ist uns eine Tour sofort in’s Auge gesprungen: Bei Biodola gibt es einen Tunnel, der durch die Felsküste geschlagen wurde und offen für Wanderer ist. Dahinter befinden sich einsame Strände, die man nur zu Fuß oder mit dem Boot erreicht. Keine Frage, dass wir uns das ansehen müssen.

Da wir auf dem Campingplatz in Enfola sind und mit dem Auto nicht erst zurück nach Portoferraio und damit ganz außen herum fahren wollen, starten wir direkt am Campingplatz. Romina macht den hervorragenden Vorschlag, die Tour schon in Viticio zu beginnen und dorthin mit dem Fahrrad zu fahren. Die Fahrräder sind abgeschlossen, wir haben Schwierigkeiten den richtigen Weg zu finden, denn er führt mitten durch die Häuser. Ich bin wirklich froh, im GPS nachsehen zu können.

Wir wandern das erste Mal auf Elba und sind von den Wanderwegen sofort begeistert. Tunnelartig geht es durch dichtes Gebüsch. Anders als bei uns wäre hier kein Durchkommen ohne freigeschnittene Wege. Und Abkürzen geht auch nicht. Richtige Schmugglerpfade. Wir kommen an eine Wegkreuzung, überlegen kurz und entschließen uns dann für den kürzesten Weg, den längeren an der Küste entlang können wir später noch machen, falls wir Lust haben.

In Forno gehen wir über den Strand und weiter nach Biodola. Das soll einer der schönsten Strände der Insel sein, weil er lang und groß ist. Vor allem ist es ein Sandstrand, während die meisten Strände eher aus Steinen oder kleinen Kieseln bestehen. Jetzt in der Nachsaison ist das auch für mich ok, aber man sieht, dass die Hotels hier vor Ort viel Platz mit ihren Liegen beanspruchen. Ich bin einfach lieber an einsamen Stränden. Also weiter.

Wo ist nur dieser Tunnel? Im Ort versuchen wir uns zu orientieren, aber überall gibt es nur Privatstraßen und Zugänge zu Hotels. Lauter Sackgassen… Wir schauen noch einmal im Wanderführer nach und dann wird klar, dass wir direkt am Strand entlang gehen müssen und dann über den Anlegeplatz eines Hotels – was man aber wohl darf.

Der Tunnel ist der Hammer. Während der Eingang noch etwas unspektakulär ist, gibt es mitten im Tunnel eine Möglichkeit auf eine Aussichtsplattform zu gehen. Die tosenden Wellen direkt unter uns und überall steile Felswände. Das Highlight ist aber der Ausgang des Tunnels, denn hier führt der angelegte Weg über eine Brücke mitten durch das Meer und die Wellen schlagen gegen das Bauwerk und Gischt spritzt bis auf den Weg. Ein toller Ort!

Im weiteren Verlauf wird es wieder einsamer und weniger Leute sind unterwegs. Wir entschließen uns zuerst auf den Bergrücken zu wandern, hier sind wir ganz alleine unterwegs. Steil zieht der Pfad nach oben, ausgewaschenen und stellenweise rutschig. Wir befinden uns wieder mitten im Dickicht. Wir sehen nur den Tunnel, kein Himmel, kein Ausblick nach links oder rechts. Wir sind ganz alleine.

Irgendwann stehen wir auf der Hauptstraße und biegen gleich rechts ab auf eine Forststraße über den Bergkamm. Im großen Bogen und vorbei an zwei einsamen, nur zu Fuß erreichbaren Stränden, geht es wieder zurück durch den Tunnel nach Biodola und dann nach Forno. Da wir noch Lust haben, entschließen wir uns diesmal nicht direkten Weg zu gehen, der uns sowieso nicht so gut gefallen hat, sondern die kleine Runde an der Küste entlang.

Wir folgen also der Straße den Berg hinauf, bis wir schließlich vor dem Tor stehen, dass uns den Weg versperrt. Frustriert beschliessen wir Pause zu machen und dann auf dem Hinweg zurück zu gehen. Nach einer Weile kommt ein altes Ehepaar langsam den Weg hinauf spaziert, während ich das Tor inspiziere. Vielleicht gibt es ja doch einen Weg hinüber. Dann spricht mich der ältere Herr auf deutsch an und fragt, ob wir hier hindurch wollen. Ich schöpfe Hoffnung, vielleicht gehört den beiden ja das Grundstück und wir dürfen mit ihnen durch das Tor?

Das ist zwar nicht der Fall, aber er meint, dass viele Leute einfach über das Tor hinweg steigen, um den Wanderweg zu erreichen. Er erklärt, dass die gesamte Landzunge vor ein paar Jahren von einer deutschen Dame gekauft wurde, die jetzt dieses Tor dorthin gesetzt hätte, obwohl noch gar nicht klar ist, ob dies überhaupt rechtens ist. Ich erkundige mich noch, wie es dahinter aussieht, ob Häuser kommen oder dort jemand wohnt. Ein paar verschlossene Hütten (aufgebaut auf bestehende Ruinen, denn etwas anderes darf man hier nicht), stehen wohl. Aber es ist keiner da. Ich schaue Romina fragend an, und sie sagt sofort, dass wir dann natürlich darüber steigen. So nah am Tor sehe ich dann auch Spuren von kleinen Steinchen am Tor – da sind definitiv schon Leute vor uns hinüber. Solche Begegnungen sind für mich das Salz in der Suppe, ein bisschen eintauchen dürfen, nicht nur Tourist sein.

Ganz beschwingt machen wir uns auf den weiteren Rückweg und nehmen sehr bewusst den weiteren Weg und unsere Umgebung wahr. Ein bisschen unwohl ist uns schon bei diesem Grenzübertritt. In die andere Richtung kommt kein Hinweis, kein Schild, nichts. So kommt man also von der andere Seite ohne Probleme und ohne Ahnung auf das Grundstück – schon ein bisschen seltsam.

Das Gelände im Aufstieg ist Terrassenförmig angelegt, aber der Buschwald ist schon darüber gewachsen und auch die Steinmauern der einzelnen Terrassen sind schon verfallen. Was hier wohl angebaut wurde? Muss auf jeden Fall schon länger her sein.

Der weitere Rückweg ist uns schon bekannt und im Nu sind wir bei den Fahrrädern und wieder zurück am Campingplatz.

Kurz Info: Wanderung von Enfola zum Tunnel bei Biodola

Charakter der Wanderung:

Die Wanderung ist abwechslungsreich. Zu Beginn führt sie über eine Teerstraße. Diese Strecke lässt sich mit dem Fahrrad gut abkürzen. Dann geht es abwechselnd schmale Pfade durch Gebüsch und am Strand entlang. Highlight der Tour ist sicher der Tunnel am Ende des Strandes von Biodola.

Idee zur Tour aus Rother Wanderführer für Elba.

GPS-Track: Wanderung von Enfola zum Tunnel bei Biodola

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