Smaragdeidechse

Gardasee: Wanderung über den Kamm des Cima Della Nara

Vorsicht und absolute Konzentration beherrschen mich. Ich bin alleine unterwegs und links geht es steil hinunter. Rechts ebenso und geradeaus müsste ich über den nächsten Felsblock klettern. „Per esperti“ stand auf dem Schild an der Abzweigung zum Gipfel des Cima Della Nara. Laut Wanderführer sollte dieser Pfad auch nicht schwieriger als der Wanderweg sein. Mittlerweile bin ich mir unsicher, ob ich mich überhaupt noch auf dem richtigen Pfad befinde. Mich beschleicht ein leichtes Unwohlsein, denn der „Weg“ wird immer ausgesetzter und je weiter ich gehe, desto öfter nehme ich die Hände zur Hilfe. Ich habe keine Ahnung, ob das noch ausgesetzter, mehr zu klettern wird und wie lang es überhaupt noch so weitergeht, bevor ich wieder auf den normalen Wanderweg gelange.

Die Wanderung über den Kamm beginnt harmlos im kleinen Bergdorf Pregasina auf der Westseite des Gardasees auf etwa 500 Metern Höhe. Zunächst führt der Weg auf einer Forststraße, die ich mir mit Horden an Mountainbikern teile, bergan, bis man am Pass Guil bei etwa 1200 Metern scharf rechts abzweigt, um auf den Kammweg zu kommen. Ab hier wird es für Wanderer spannender.

Es herrscht erstmal Ruhe. Am Monte Guil treffe ich bei einer kleinen Kraxelei ein älteres Ehepaar, die mir entgegen kommen. Ansonsten habe ich die Berge und den Blick zum Gardasee und Lago di Ledro hinunter für mich ganz alleine. In beständigem auf und ab, führt mich diese Wanderung mit atemberaubenden Tiefblicken Richtung Cima Al Bal, dem Ende der Überschreitung. Auf dem Weg dorthin überrascht mich der Weg jedoch mit einigen steilen Stellen, die teilweise zu Kraxeln sind. Trittsicherheit ist hier auf jeden Fall nötig – Schwindelfreiheit schadet auch nicht.

Die ständigen Windungen des Pfades sorgen für immer neue Ausblicke in die umliegenden Berge, bis mich eine erneute Biegung plötzlich anhalten lässt. Diesmal bin ich nicht von der Weitsicht fasziniert, sondern im Gegenteil von dem Anblick, der sich mir direkt auf dem Weg vor mir bietet. Zwei Smaragdeidechsen sonnen sich in aller Ruhe. Sie schillern in allen Grüntönen und das türkis an ihren Köpfen erinnert mich an das Meer von karibischen Stränden. Zum Glück bin ich nicht in Eile und kann die beiden Tiere in aller Ruhe betrachten. Ich freue mich über mein Glück, denn sie bewegen sich selbst dann nicht, als ich meine Kamera vorsichtig heraushole, um ein Foto der beiden Echsen zu machen.

Irgendwann gibt es eine Abzweigung zum Cima Della Nara und es versteht sich von selbst, dass ich natürlich auch den höchsten Punkt der Wanderung mitnehmen will. Daran hindert mich auch das bereits erwähnte Schild mit der Aufschrift „per esperti“ nicht. Schon beim Gipfel selbst bin ich mir unsicher, denn auf dem Weg gibt es zwei Erhebungen und laut GPS ist der Gipfel die zweite davon. Also weiter. Irgendwie habe ich dann den Weg hinter dem Gipfel verloren und klettere geradewegs über den Kamm. Die Felsblöcke werden immer größer und ein Wanderweg ist weit und breit nicht in Sicht.

Ich werde langsam unsicher. „Vielleicht habe ich eine Abzweigung verpasst“, denke ich mir und steige ein paar Meter zurück, und versuche einen anderen Weg, denn die Richtung stimmt grundsätzlich. Wieder komme ich in eine Sackgasse. Hoch konzentriert und vorsichtig steige ich weiter. Ich kann nicht erkennen, wie lange die Kraxelei über den Kamm noch weiter geht, bevor ich wieder auf einem normalen Wanderweg stehe. Als ich ihn dann rechts unter mir sehe, beschließe ich soweit zurück zu klettern, bis ich eine Stelle finde, an der ich die Bergflanke hinunter komme.

Den Blick immer nach links gerichtet, suche ich nach einer Möglichkeit, um auf den Wanderweg zu gelangen. Nach einer gefühlten Ewigkeit dann endlich eine Möglichkeit. Steil ist die Stelle, die ich mir ausgesucht habe. Das Gestein ist teilweise lose und ich bin äußerst konzentriert und vorsichtig. Ganz langsam steige ich die steile Flanke hinab und bin froh, als ich unten auf dem erlösenden Wanderweg stehe. Letztlich erkenne ich einige Meter weiter, dass es nur noch etwa fünfzig machbare Meter über den Kamm gewesen wären, um ebenfalls auf den Pfad zu gelangen. Aber sicher ist sicher.

Ab dem Cima del Bal ist dann auf einmal mehr los. Hier gibt es eine Menge Stellungen aus dem Ersten Weltkrieg zu bestaunen, was diesen Teil der Wanderung auf eine eigene Weise interessant macht, wenn auch nicht ganz so interessant, wie den Klettersteig „Fausto Susatti“ oberhalb des Lago die Ledro.

Den Abstieg bringe ich relativ schnell hinter mich und freue mich auf ein Eis im Ristorante Panorama in Pregasina, bevor es wieder hinab zum Gardasee geht.

Übrigens muss bereits die erste Erhebung, auf der ich war, die Cima Della Nara gewesen sein. Die zweite auf der digitalen Karte eingezeichnete und als Gipfel ausgezeichnete Erhebung liegt nämlich 35 Meter tiefer… Das wiederum bedeutet, dass ich vermutlich die richtige Abzweigung einfach ignoriert habe, da ich dachte noch nicht im Gipfel gewesen zu sein. Aber das konnte ich zu diesem Zeitpunkt ja nicht wissen.

Kurz-Info: Wanderung über den Kamm des Cima della Nara

  • Ausgangsort: Pregasina
  • Strecke (Runde): ca. 13,5 km
  • Zeit (Runde): ca. 6 h
  • Höchster Punkt (Cima della Nara): 1360 hm
  • Höhendifferenz: 840 hm
  • Höhenmeter (Aufstieg): 1080 hm

Charakter der Wanderung

Ausgedehnte Bergwanderung, auf der man zu Beginn auf einfachen Forststraßen unterwegs ist. Auf dem Kamm selbst werden die trittsicheren mit tollen Ausblicken über den Gardasee und einem sehr abwechslungsreichen Weg belohnt. Wer sicher gehen will, lässt die Abzweigung auf die Cima Della Nara rechts liegen und folgt dem Wanderweg gerade aus. Im letzten Drittel faszinieren den historischen interessierten Wanderer die Ruinen alter Wehrstellungen, die Geschichten dieser bewegten Gegend erzählen.

GPS-Track: Wanderung über den Kamm zum Cima della Nara

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