Navigation: Standort mit dem Kompass bestimmen

Nachdem der richtige Kompass gekauft ist, geht es in diesem Beitrag darum heraus zu finden, wo in der Landschaft man sich befindet. Der aktuelle Standort ist nämlich der Ausgangspunkt für die Ermittlung der weiteren Marschrichtung. Um den Standort zu finden braucht man einen Kompass und eine Karte. Im Gebirge hilft oftmals auch ein Höhenmesser. Auch wenn die Standortbestimmung die weit weniger genutzte Aufgabe des Kompass ist, denke ich, dass es die wichtigere ist. Darum will ich sie zuerst erklären.

Die verschiedenen Teile eines Kompass

Grundsätzlich ist ein Kompass nichts anderes als ein Winkelmesser.

Die verschiedenen Teile eines Kompass

  1. Anlegekante / Marschrichtung (grüner Pfeil):
    Vor den Körper gehalten gibt der Spiegel oder Pfeil die Marschrichtung am Kompass vor. Mit der der Anlegekante überträgt man die Richtung vom Gelände auf die Karte und anders herum.
  2. Kompassdose (rotes, drehbares Teil mit Gradeinteilung):
    Die Kompassdose kann man einstellen und damit den Winkel vom Gelände auf die Karte übertragen.
  3. Nordlinien in der Dose (Linien in Nord-Süd-Ausrichtung am Boden der Dose):
    Die Nordlinien auf dem Boden der Dose helfen dabei, den Kompass auf der Karte exakt in der Nord-Süd-Achse auszurichten.
  4. Nordmarkierung in der Dose (großer, roter Pfeil am Boden der Dose):
    Die Nordmarkierung in der Dose muss man beim beim Messen im Gelände mit der Nordmarkierung der Nadel in Übereinstimmung bringen.
  5. Nordmarkierung der Nadel (roter Teil der Nadel)

Drei Schritte zur Positionsbestimmung

1. Eindeutige Punkte in der Landschaft finden

KirchturmWenn man absolut keine Ahnung mehr hat, wo man sich im Gelände befindet, braucht man zwei, besser drei markante Punkte in der Landschaft, die man auch auf der Karte eindeutig bestimmen kann. Solche Punkte können ein markanter und gut zu identifizierender Gipfel sein. Aber auch Kirchtürme von Ortschaften oder beispielsweise ein See dient als eindeutig indentifizierbarer Punkt.

 2. Peilung mit dem Kompass

Anpeilen des Kirchturms
Abbildung 1

Hat man den Punkt (Kirchturm) sowohl auf der Karte als auch im Gelände gefunden, geht es an die Peilung mit dem Kompass. Dazu hält man den Kompass möglichst waagrecht und dreht den ganzen Körper so, dass die Anlegekante / Marschrichtung genau auf den Kirchturm im Gelände zeigt. Die Nadel zeigt bereits nach Norden im Gelände, im Beispiel nach links.
(siehe Abbildung 1).

Nun dreht man die Dose solange, bis die Nordmarkierungen auf Dose und Nadel übereinanderliegen. Im Beispiel liegt das „N“ jetzt auch nach links und damit genau unter der Nordmarkierung der Nadel. Damit hat man den Winkel zwischen Norden und dem Kirchturm vom Gelände übertragen. Der Winkel zwischen Anlegekante und Nordlinien in der Dose ist genau der gleiche, wie der im Gelände zwischen Kirche und Norden (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2

3. Winkel auf die Karte übertragen

Nachdem der Winkel eingestellt ist, legt man den Kompass auf die Karte, so dass die Anlegekante den Kirchturm berührt. Danach dreht man den Kompass (nicht die Dose!) solange, bis die Nordmarkierung auf der Dose genau nach Karten-Nord (oben) zeigt. Hierbei sind auch die Hilfslinien auf dem Boden der Dose hilfreich. Man kann die nämlich leicht mit den Nord-Süd verlaufenden Rasterlinien auf der Karte in Übereinstimmung bringen. Jetzt weiß man, dass man sich irgendwo auf der Linie befindet, die die Anlegekante auf der Karte einzeichnet. Als Hilfe kann man diese Linie jetzt mit einem Stift über die ganze Karte verlängern.

Winkel auf die Karte übertragen
Abbildung 3

Danach wiederholt man Schritt 1 und 2 und überträgt den Winkel erneut auf die Karte. Man befindet sich am Schnittpunkt der beiden Linien (Siehe Abbildung 3).

Es empfiehlt sich noch mindestens eine weitere Peilung vorzunehmen, damit man sichergehen kann, dass man sich nicht vertan hat. Jede weitere Peilung muss wieder genau in den gleichen Schnittpunkt einlaufen. Ist dies nicht der Fall, nochmals alle Messungen wiederholen.

Weg / Pfad

Wenn man weiß, auf welchem Weg oder Pfad man sich befindet, kann man diesen Pfad statt einer Messung verwenden. Wenn sich der Weg nicht allzusehr windet, gibt es bei einer Messung nur einen Schnittpunkt mit dem Weg. Dort befindest du dich.

Höhenmesser

Falls man sich im Gebirge befindet, kann man statt einer Peilung auch einen Höhenmesser verwenden, um den Standort zu ermitteln. Auf der Karte müssen dazu die Höhenlinien eingezeichnet sein. Auch diese ergeben eine Linie, die man mit einer einzigen Peilung zu einem Schnittpunkt führen kann. Dabei muss man jedoch beachten, dass es hierbei auch zu mehreren Schnittpunkten kommen kann. Diese Methode eignet sich also nur, wenn man seinen ungefähren Standpunkt kennt, wie beispielsweise einen Kartenausschnitt oder die Hangrichtung, auf der man sich befindet.

Weitere Hinweise

Auf die Deklination bin ich nicht eingegangen, weil man sie in Europa vernachlässigen kann. Ich empfehle den Umgang mit Karte und Kompass möglichst häufig zu üben, damit man ihn in einer Gefahrsituation ohne Probleme nutzen kann.

Wer jetzt wissen will, wie man die richtige Richtung findet, sollte sich den Artikel zum Thema Marschrichtung finden und halten durchlesen.

11 Gedanken zu „Navigation: Standort mit dem Kompass bestimmen“

    1. Freut mich, dass dir die Anleitung gefällt. Wenn noch Fragen offen geblieben sind – immer her damit! Vielleicht stellen sich andere genau die gleiche Frage…

  1. sehr gut verständliche und bebilderte Anleitung. Danke, hat mir zur Auffrischung meines verschütteten Wissens super geholfen.
    Gern mehr von solchen Beiträgen im Netz.

    Besten Gruß
    Thomas

    1. Hallo Thomas, vielen Dank für die netten Worte. Wenn der Artikel dir weiterhelfen konnte, hat er sein Ziel erreicht 🙂 Vielen Dank, Martin

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