Stromschnellen der Ardeche

Paddeln auf der Ardeche – eine 2-tägige Gepäckfahrt

Wir müssen ganz schön arbeiten, um bei dem Wind, der durch die Schlucht der Ardeche pfeift, auf Kurs zu bleiben. Am Schlimmsten hat es Ruth erwischt, die mit dem Sit-on-top und dem Kanister hinter sich ein einziges großes Segel ist. Immer weiter versucht sie auf Kurs zu bleiben. Der Campingplatz, an dem wir gestartet sind ist noch im Blick – das fängt ja schon einmal gut an. Zum Glück verhält sich die Ardeche zu Beginn ganz ruhig. Es gibt keine Stromschnellen und der Fluss ist so breit, dass man nicht auf genau eine Linie angewiesen ist.

Ich bin froh, dass ich im geschlossenen Kajak mit Spritzdecke sitze – kalt ist mir nicht. Auch bei Michi scheint alles in Ordnung zu sein. Ruth dagegen im langen Neopren ist vollkommen dem Wasser und dem eisigen Wind ausgesetzt. Und das bei Windböen, die teilweise 70km/h erreichen. Etwas weniger zwar als gestern beim Wandern durch die Ardeche-Schlucht, aber nicht wesentlich weniger.

Abgesehen von den Umständen, zieht uns die Ardeche aber sofort in ihren Bann. Wasser sprudelt überall und die Ardeche zieht uns kräftig flussabwärts. Währenddessen betrachten wir die Felswände mit ihren Höhlen, die der Fluss in Jahrhunderten in die Wand gespült hat. Immer wieder sehen wir mehr als zehn Meter über uns Baumstämme in den Felsen hängen und Ehrfurcht macht sich breit: bei Hochwasser will ich nicht hier sein.

Paddelnd durch die Pont d’Arc

Auf diese staunende Weise kommen wir schnell zur Stromschnelle vor Pont d’Arc, die etwas technischer ist, als die vorherigen. Man kann nämlich nicht einfach grade hindurch fahren. Wir schauen sie uns vorher an und besprechen die beste Durchfahrt. Während ich von oben einfach grade (ist mit den langen Booten einfacher) durchfahren will, um dann nur einmal für die letzte Stufe um die Ecke zu müssen, meinen die anderen, dass es besser wäre der Hauptströmung zu folgen, die noch zwei zusätzliche Knicks macht. Das führt für den letzten Teil zu einer besseren Ausgangslage.

Ruth paddelt als Erste, kommt erst gut durch, verpasst dann aber die richtige Linie und kommt zu weit nach links an einem Stein vorbei. Dann will sie queren, wodurch die Strömung ihr Kajak quer stellt und sie genau vor meinen Füßen auf zwei Felsen festfährt. Ich schiebe sie wieder zurück in die Strömung und schon ist sie hindurch. Michi paddelt mit dem langen Kajak souverän durch die Stromschnelle – das klappt so gut, dass auch ich mich entschließe der Linie der anderen beiden zu folgen (keine Experimente bei der ersten Stromschnelle) – immerhin haben wir noch einiges vor uns.

Die gigantische Pont d’Arc steht vor uns und wir lassen uns auf sie zutreiben. An dieser Stelle ärgere ich mich ein wenig über den Rückenwind – denn irgendwie geht es mir zu schnell. Wir bestaunen diese steinerne Brücke über die Ardeche, wie sie sich majestätisch vor uns erhebt. Ein faszinierendes Naturbauwerk, das einst mit einem kleinen Loch begann, durch welches sich das Wasser der Ardeche hindurchbahnte und so über Jahrhunderte hinweg diesem beeindruckenden Bogen spannte. Je näher wir der Durchfahrt kommen, desto stärker wird der Wind – auch die Luftmassen quetschen sich durch die Öffnung und werden damit schneller. Deshalb paddeln wir noch einmal ein Stück zurück und entdecken auf der linken Seite am Ende des Brückenbogens einen kleinen Naturhafen und eine Höhle im Fels, in die man hinein paddeln kann. Aus dem Hafen hinaus, bläst uns der Wind bis in die nachfolgende Kurve, um danach abrupt aufzuhören. Absolute Windstille.

Kurz-Info: Paddeln auf der Ardeche

Die Ardeche gehört wohl zu den Flüssen, die ein Paddler mindestens einmal in seinem Leben gesehen haben sollte. Das merkt man auch auf der Ardeche – gerade im Sommer ist hier die Hölle los. Es lohnt sich daher die Vor- oder Nachsaison in Südfrankreich zu nutzen, um diesen beeindruckenden Teil der Ardeche zu erleben.
Übrigens: Auch auf Schusters Rappen lohnt sich die Schlucht der Ardeche.

  • Tag 1: Vallon-Pont-d’Arc bis Bivoauc de Gournier
  • Tag 2: Bivoauc de Gournier bis Sauze
    • Aussetzen: Sauze (Nur nutzen, falls Shuttle durch lokalen Verleiher, sonst weiter bis St.-Martin d’Ardeche)
    • Strecke: ca. 13 km
    • Zeit: ca. 4,5 h

Weitere Informationen

Alleine in der Ardeche-Schlucht mit den Naturgewalten

Bevor die Fahrt durch die Schlucht anfängt, bei der man mangels Ausstiegen nicht mehr abbrechen kann, beendet Ruth ihre Tour und lässt sich an der letzten Möglichkeit abholen. Es ist einfach zu windig und zu kalt für ein Sit-on-Top Kajak. Wir paddeln also zu zweit weiter und lassen den nun von unserer Wanderung bereits bekannten Teil der Schlucht auf uns wirken: hoch aufragende Felswände, Unterspülungen, die erst vom Boot aus so richtig zu sehen und zu bestaunen sind. Die meisten der kommenden Stromschnellen schauen wir uns nicht an – sie sehen alle schon aus dem Kajak heraus machbar aus.

Nach einer dieser Stromschnellen, sitzen am rechten Ufer sechs Paddler im Windschatten ihrer Kanadier. Darüber bläst der Wind feine Sandkörner. Gleichzeitig mühen wir uns gegen den Wind ab. Die Ardeche macht nun eine Linkskurve und wir sehen nur noch, wie der Wind das Wasser aufpeitscht und die Gischt um die Ecke stäubt.

Vorsichtig nähern wir uns der Flussbiegung auf der Innenseite – so lange wie möglich im, soweit man es so nennen kann, Windschatten. Dann erfassen uns die Böen mit voller Wucht, Wellen schlagen uns entgegen und obwohl wir auf einem Fluss paddeln, der an dieser Stelle mit mindestens fünf Stundenkilometern fließt, zeigt das GPS nur 2km/h – und das obwohl ich mit voller Kraft am Paddel ziehe. Es ist ein komisches Gefühl, flussabwärts gegen Wind und Wellen zu padden und fast nicht vom Fleck zu kommen. Letztlich schaffen wir aber auch das und ich bin froh, dass Ruth auf ihrem Sit-on-Top nicht dabei ist. Mit ihrem Kajak wäre das wahrlich kein Spaß gewesen.

Sonne tanken an einem kleinen Naturhafen

Wenig später machen wir an einem schönen Naturhafen Pause. Hier weht kein Wind und die Sonne scheint grade – alleine das Aussteigen fällt schwer, weil der Fels hier flach abfällt und mit Algen bewachsen ist. Das macht die ganze Geschichte etwas rutschig. Nachdem wir wohlbehalten an Land sind, wird erst einmal Brotzeit gemacht. Die Sonne ist warm und Michi beschließt, dass es warm genug ist, um einen kleinen Hüpfer in die Ardeche zu wagen. Der Plan wird auch sofort in die Tat umgesetzt, nachdem ein passender Ausstieg gefunden ist, der nicht allzuweit vom „Sprungturm“ entfernt ist. Bei der zweiten Runde, bin auch ich dabei, während ich die dritte Runde aussetze und die Wärme der Sonne geniesse, die nur an einem windstillen Ort wie diesem zur Geltung kommen kann.

Ende des ersten Tages im „Bivoauc de Gournier“

Die letzte Stromschnelle am heutigen Tag ist die größte und das Wasser der Ardeche spritzt bis über meinen Kopf. Kurz danach steht am linken Ufer ein großes Schild mit der Aufschrift „Bivoauc de Gournier“ – wir sind am Biwak für heute angekommen. Ich verstehe unter Biwak ja etwas anderes, denn das hier ist eigentlich ein Zeltplatz mit Waschhaus, der von der Nationalparkverwaltung betrieben wird. Bis zu 200 Camper können aufgenommen werden. Es gibt nur keine nummerierten Parzellen.

Wir werden sofort freundlich vom Ranger empfangen, der eine Liste mit den Gästen für heute Nacht bei sich führt. Um hier sein Zelt aufstellen zu dürfen, muss man sich schon im Vorfeld in Vallon-Pont-d’Arc für die Übernachtung anmelden und die Übernachtungsgebühr zahlen. Mit drei Brocken Französisch, sowie Händen und Füßen versuchen wir dem Ranger zu erklären, warum es kein Problem ist, dass wir nur zu zweit sind und die dritte Person nicht in Schwierigkeiten in der Schlucht steckt. Gar nicht so einfach…

Danach bauen wir das Zelt auf und kochen uns ein schönes Abendessen. Von unseren Nachbarn weht ein süßlicher Geruch herüber und die Gegend rund um die Ardeche wird ihrem Ruf als (ehemalige) Gegend für Aussteiger gerecht. Die Nacht ist ruhig und ich schlafe tief und fest. So fest, dass ich gar nicht mitbekomme, dass Michi am nächsten Morgen ein wahrlich festliches Frühstück aus unseren Vorräten zaubert. So kommen wir auch heute früh los.

Unfreiwilliges Bad in der Ardeche

Mit der Erfahrung des Vortags schockt uns beim aktuellen Wasserstand keine Stromschnelle und wir paddeln die meisten sofort ohne sie wirklich im Vorhinein angesehen zu haben. Trotzdem ist es natürlich immer wieder spannend das Wasser schon aus der Ferne rauschen zu hören und durch den niedrigen Sitz die Stromschnelle selbst erst komplett überblicken zu können, wenn eine Änderung der gewählten Linie meist schon nicht mehr möglich ist. Hinzu kommt, dass wir diesen Abschnitt auch noch nicht aus dem Blickwinkel des Wanderwegs kennen. Absolutes Neuland also. So kommt ein kleines bisschen Abenteuerflair auf.

Ich bin grade vorne und paddle auf eine Stromschnelle zu. Mitten in der Hauptströmung, auf der ich unterwegs bin, steht ein riesiger Felsblock in der Ardeche und die Strömung knickt davor in einem starken 90° Winkel nach rechts weg. Ich überlege, ob ich der Strömung folge (macht Spaß, ist aber aufgrund der schnellen Richtungsänderung nicht ganz ohne für das lange Kajak) oder besser links am Felsblock vorbei paddle (Nummer sicher). Ich entscheide mich für links und rufe meine Entscheidung Michi zu. Dann versuche ich die Hauptströmung nach links zu verlassen und muss feststellen, dass ich zu spät dran bin. Ich werde schnell und unaufhaltsam nach rechts gezogen. Dann der Knick. Mein Kajak schiesst mit der Breitseite auf den Felsen zu, ich stütze kurz mit der linken Hand und kante geistesgegenwärtig richtig auf. Dann bin ich rum. Noch einmal gut gegangen. Aber knapp.

Dann blicke ich nach hinten zu Michi. Wo ist er? Da! Er treibt kieloben die Ardeche hinunter und hält den Kopf über Wasser. Schließlich steigt er aus und wir paddeln zu einer kleinen Sandbank, um das Kajak zu entleeren. Auch ihm ist nichts weiter passiert, als dass er ein eiskaltes Bad genommen hat.

Der Plan für den nächsten Tag entsteht

Nachdem sich mein Puls wieder beruhigt hat und der Adrenalinspiegel langsam sinkt und wir Michis Boot entleert haben, machen wir uns entspannt auf die weitere Tour. Ich kann mich nicht sattsehen an dieser Schlucht. Sie ist so vielseitig mit ihren unterschiedlichen Felsformationen, den einzelnen Bäumen oder Büschen. Dann wieder Sandstrände und Höhlen. Nach jeder Schleife, welche die Ardeche in Jahrtausenden in den Fels gegraben hat, eröffnen sich uns wieder neue Ausblicke und kleine Highlights. Beispielsweise unter einer überhängenden Felswand entlang zu fahren oder kleine steinerne Säulen, die eine durchgehende Felsplatte tragen über die der Wanderweg führt. Faszinierend und so träume ich vor mich hin.

Ich beobachte grade ein paar Wanderer auf der linken Seite, während Michi sich bereits mitten in der vor mir liegenden Stromschnelle befindet. Als ich wieder zu den Wanderern hinauf blicke, ist einer der Wanderer in einem leuchtend rotem Outfit plötzlich verschwunden. Während ich noch überlege, wohin er wohl verschwunden ist, taucht er ein paar Meter weiter flussaufwärts und etwa 3m tiefer wieder auf. Ein Tunnel! „Wie genial ist das denn bitte?“, denke ich mir. Der Wanderweg führt durch einen natürlichen, von der Ardeche gegrabenen, Tunnel im Fels. Ich erzähle Michi von meiner Entdeckung und der Plan für unseren letzten Tag steht: Wir wandern den zweiten Teil der Ardeche-Schlucht und setzen wieder mit den Fahrrädern um.

„Was hälst du von einer Pause?“, frage ich Michi, der zustimmend nickt. Auf der Suche nach einem geeignetem Platz zum Anlanden lassen wir uns von der Strömung treiben. Vorerst gelangen wir an keine geeignete Stelle und nach einer weiteren Schleife öffnet sich die Schlucht vor uns und wir erkennen, dass das Ziel unserer Kajak-Tour vor uns liegt. Auf der linken Seite befindet sich in Sauze ein großer Betonparkplatz, der in die Ardeche hinein ragt. Dort haben wir ein Shuttle mit einem Verleiher verabredet. Wer selbst shuttelt sollte (vor allem in der Saison) noch weiter bis nach St.-Martin d’Ardeche paddeln und die Tour dort beenden, denn dieser Parkplatz ist für die Vielzahl an Verleihern reserviert.

GPS-Track: Paddeln auf der Ardeche (Tag 1)

GPS-Track: Paddeln auf der Ardeche (Tag 2)

4 Gedanken zu „Paddeln auf der Ardeche – eine 2-tägige Gepäckfahrt“

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