MSR Guardian Wasserfilter

Testbericht: Wasserfilter MSR Guardian

„Wofür brauchst du denn einen Wasserfilter?“, ist die Frage, die ich oft höre. Sie ist durchaus berechtigt, denn dort, wo ich in der Regel unterwegs bin, ist der Zugang zu Trinkwasser eigentlich kein Problem. Auf längeren Fahrradtouren ist entweder ein Supermarkt in der Nähe oder ein freundlicher Mitmensch, der gerade im Garten arbeitet, hilft mal aus. Für eine Tagestour in den Bergen rechnet sich das zusätzliche Gewicht nicht. Da kann ich das Wasser auch einfach mitnehmen oder ich gönne mir ein Getränk auf einer der vielen Alpenhütten.

Trotzdem begleitet mich seit einiger Zeit auf so mancher Tour mit dem MSR Guardian ein Wasserfilter. Warum ich den habe, wofür ich ihn bisher genutzt habe, worauf ich bei der Auswahl geachtet und ob ich jemals Magenprobleme hatte, erfährst du in diesem Testbericht. 

Wofür einen Wasserfilter? Und vor allem: Was für einen Wasserfilter?

Wofür einen Wasserfilter?

Tatsächlich liebäugelte ich schon eine ganze Zeitlang mit der Möglichkeit auf Tour an trinkbares Wasser zu kommen. Aus oben genannten Gründen, habe ich mir damit lange Zeit gelassen, denn wirklich nötig ist es nicht. Aber es reizte mich – vor allem bei Touren mit dem Kajak – vom mich umgebenden Wasser profitieren zu können. Und grade bei längeren Touren den so gewonnenen Stauraum mit Foto-Equipment zu füllen 😉 Aber auch bei unserer Mangfallwanderung wäre ein Filter praktisch gewesen.

Zusätzlich stand in diesem Jahr ein einwöchiger Kanu-Trip in Schweden an. Quasi die perfekte Gelegenheit, um einen Wasserfilter im Einsatz zu testen, wenn man noch nicht so viel Erfahrung hat.

Was für eine Art von Wasserfilter?

Da ich das Thema schon etwas länger im Kopf hatte, habe ich mich natürlich auch mit den Vor- und Nachteilen verschiedener Systeme befasst. Bei den mechanischen Wasserfilter (wie bspw. Katadyn Hiker Pro) ist der Vorteil, dass man auch aus trüben Tümpeln mit einer Menge Schwebstoffen Trinkwasser produzieren kann. Dafür sind sie pflegeintensiv, teilweise weniger robust und vor allem halten sie Viren nicht auf (wodurch einer meiner Freunde schon seine helle Freude hatte 😉). Dafür gibt es sie manchmal mit Aktivkohlefilter, der bis zu einem gewissen Grad auch chemische Stoffe aus dem Wasser aufnimmt und vor allem den Geschmack des Wassers neutralisiert (bspw. Katadyn Vario Mikrofilter). Der Klassiker unter den Wasseraufbereitungen ist sicher Katadyn Micropur Forte. Neben der langen Zeit, die man warten muss, bis das Wasser trinkbar ist, muss das Wasser vor allem klar sein, damit das Chlor seine Wirkung entfalten kann. Gleiches gilt für die Steripens, die sowohl Bakterien, als auch die kleineren Viren abtöten.

So bräuchte man eigentlich eine Kombination aus mechanischem Filter und Steripen (oder Micropur ). Das war mir immer zu viel Aufwand und Ausrüstung. Der Wasserfilter Guardian von MSR dagegen hat so kleine Filterelemente, dass auch Viren nicht in das Trinkwasser gelangen. Außerdem spült er mit einem kleinem Anteil des angesaugten Wassers die Filtereinheit. Pflegeleicht müsste er also auch noch sein. Einzig der Aktivkohlefilter fehlt.

So war meine Neugier an diesem speziellen Filter geweckt.

Erster Eindruck

Ich hatte vorher noch nie einen mechanischen Wasserfilter in der Hand und war erstaunt wie groß er letztlich ist. Die Verarbeitung wirkt sehr wertig und als erstes habe ich ein paar Liter Leitungswasser durch den Filter gedrückt, was gefühlt (und ohne Vergleich) sehr schnell ging. Danach habe ich den in der Anleitung vorgeschlagenen Test auf Dichtigkeit gemacht. So kann man auch unterwegs feststellen, ob durch eine Undichtigkeit unsauberes Wasser mit dem gefilterten Trinkwasser vermischt wird. Probleme konnte ich nicht feststellen 😉

Lieferumfang

Der Wasserfilter MSR Guardian kommt mit Packsack und einer wasserfesten Bedienungsanleitung. Das ist praktisch, denn so kann die Anleitung immer im Packsack bleiben, auch wenn der nasse Filter mit drin ist. Was man noch braucht ist entweder eine Nalgene Trinkflasche mit großem Hals oder einen Schlauch, um das Trinkwasser sicher zu entnehmen.

Technische Daten und Vergleich mit anderen Wasserfiltern

Die nachfolgenden Angaben sind die Herstellerangaben, welche ich nicht selbst überprüft habe:

MSR Guardian Katadyn Vario Mikrofilter Katadyn Micropur Forte Steripen Adventurer Opti
Größe  21x12cm  19x10cm 15,5x4x2,5cm
Gewicht  490g 468g  100g  185g
Filtersystem  Hohlfaser Keramik-Vorfilter (optional), Glasfaser, Aktivkohle Chlor- und Silberionen UV-Entkeimung
Ergiebigkeit  2,5l/min  2l/min  1l/30min  ca. 1l/min
Kapazität 10.000l 2.000l  100l  50l
Gegen Bakterien, Viren, Protozoen Bakterien, Protozoen Bakterien Bakterien, Viren, Protozoen
Preis  ca. 350€  ca. 120€  ca. 20€ ca.  90€

Der MSR Guardian Wasserfilter im Einsatz

Das erste Mal hatte ich den Filter probeweise auf einer kleinen Kajak-Runde auf dem Simsee dabei. Im Kajak sitzend habe ich mir unterwegs einen Liter Wasser direkt aus dem See gefiltert. Das Wasser schmeckte zwar noch ein bisschen modrig und war auch nicht 100% klar, sondern besaß noch eine ganz leicht grünliche Färbung. Magenprobleme habe ich jedoch keine bekommen. Danach hatte ich den Filter bei einigen Kanu-Touren auf dem Chiemsee dabei. Auch hier keine Probleme – nicht einmal mehr dieser leicht moderige Geschmack aus dem Simsee. Das liegt wohl aber hauptsächlich an der Wasserqualität des Chiemsees. Im Sommer dann bei unserer fünftägigen Kanutour in Schweden haben wir unsere Wasserversorgung komplett mit dem MSR Wasserfilter abgedeckt.

Den Filter habe ich jetzt seit etwa einem Jahr und in dieser Zeit habe ich ihn nicht einmal auseinander genommen oder gespült. Mittlerweile bilden sich im Schlauch kleine weiße Ablagerungen, die ich demnächst säubern werde, bisher aber auch keinen negativen Einfluss auf die Wasserqualität hatten.

Fazit

Brauche ich den MSR Guardian unbedingt? Sicher nicht. Bei all meinen bisherigen Touren wäre eine Versorgung über Wasserbehälter möglich gewesen. In Schweden fand ich es durchaus praktisch das Wasser für die kompletten fünf Tage nicht vorab bunkern (und schleppen) zu müssen, sondern immer nur das gerade benötigte Trinkwasser zu filtern. Speziell an diesem Filter finde ich angenehm, dass die Nutzung und Wartung so einfach ist. Keine Wartezeiten, kein spülen oder extra trocknen. Ich muss mir eigentlich keine Gedanken machen. Eigentlich? Naja, ich merke trotzdem, dass ich der Sache noch nicht so 100%ig traue. Das ist aber vermutlich ein Trugschluss. Das einzige, was es wirklich zu beachten gilt, ist, dass keinerlei Chemikalien gefiltert werden.
Auf längeren Touren mit zweifelhafter Wasserqualität ist der Filter in seinem Element. Allerdings kann ich im Moment selbst keine Aussage darüber treffen, ob sich der Filter auch im harten Expeditionsalltag bewährt.

Hinweis: Der MSR Guardian Wasserfilter wurde von bergfreunde.de zur Verfügung gestellt, was diesen Test jedoch nicht beeinflusst hat. Bei allen Tests wird sowohl auf positive, als auch auf negative Aspekte des getesteten Produkts hingewiesen.

3 Gedanken zu „Testbericht: Wasserfilter MSR Guardian“

  1. Hallo Martin,

    Den MSR Guardian hatte ich so noch gar nicht auf dem Schirm. Danke für den interessanten Einblick. Das kenne ich übrigens aus eigener Erfahrung, dass man den Wasserfiltern nicht 100% traut. Man ist eben das Wasser aus dem Wasserhahn oder aus der PET-Flasche gewöhnt. Ihre Arbeit machen sie trotzdem gut. Alles Gewöhnungssache.

    Beste Grüsse,
    Mike

  2. Moin Martin,

    ich hab in letzter Zeit echt gefallen an Wasserfiltern gefunden. Einer der wichtigsten Punkte ist für mich, dass ich dann einfach eine kleine Flache Wasser mitnehmen kann und meine Routen so plane, dass ich mit dem Filter nachfüllen kann. Das spart schon echt ein bisschen Gewicht.

    Der Geschmack ist natürlich so eine Sache, aber mit der Zeit gewöhnt man sich dran und es gibt leider auch so einige Regionen in Deutschland, da schmeckt das Leitungswasser schlimmer.

    Cooler Test auf jeden Fall!

    VG
    Alexander

  3. Wir werden dieses Jahr wieder 2 Monate in Thailand verbringen und anschliessend 3 Monate in Australien. Letztes Jahr schon mussten wir in Thailand immer wieder Wasser im Supermarkt kaufen weil das Leitungswasser einfach nicht zum Trinken war. Vielleicht hilft unserer 5-köpfigen Familie dieser Wasserfilter über die Runden. Möchte mir jemand einen für einen „Langzeittest“ zur Verfügung stellen 😉

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