Endlich an der Rialto-Brücke

Vogalonga 2017 – Der Paddelmarathon durch die Lagune von Venedig

Gelb. Rot. Blau. Wieder gelb. Bunt. Und vielfältig. Es es ist bunt um mich herum. Alle möglichen Wassergefährte in allen Farben umgeben mich. Ich sitze in meinem Kajak und lasse dieses Erlebnis auf mich wirken. Es herrscht entspannte Erwartung auf den Donnerschlag, mit dem die Vogalonga 2017 startet.

Menschenmassen sind ja nicht so mein Ding. Die Münchner U-Bahn ist mir meistens schon ein Grauen. Daher wundere ich mich über mich selbst, als ich mich zusammen mit einigen Vereinsmitgliedern zur Vogalonga 2017 anmelde. Die Vogalonga ist ein Paddelmarathon durch die Lagune von Venedig und wird jedes Jahr vom Venediger Ruderklub organisiert. Antreten dürfen alle Bootsarten, die durch Muskelkraft betrieben werden: Ruderachter, Drachenboote, Gondeln und Kajaks beispielsweise. Es finden sich zwischendrin aber auch immer noch andere interessante Gefährte.

Nach einer gefühlten Ewigkeit ist die Rede auf italienisch vorbei und mit dem Startschuss, legen die Teilnehmer los. Wir sind mitten drin im Getümmel, um uns herum in erster Linie andere Paddler in Kajaks – Seekajaks hauptsächlich. Schon vor dem Start haben wir vereinbart es gemütlich angehen zu lassen, die Strecke vielleicht sogar ein wenig abzukürzen. Hier geht es nicht darum schnellster zu sein, hier zählt wirklich nur „dabei sein ist alles“.

Wir folgen dem Pulk und schon nach kurzer Strecke verabschieden sich zwei aus unserer Gruppe, die keine Lust auf die ganze Runde haben. Immerhin sind wir schon etwa eine Stunde vom Festland zum Markusplatz gepaddelt, haben zwischendrin die Sachen eines untergegangenen Drachenboots gerettet und einer der beiden ist auch noch mit einem Drei-Meter-Wildwasser-Kajak unterwegs.

Die Orientierung in der Lagune von Venedig ist nicht ganz einfach, aber heute müssen wir uns über den richtigen Weg keine Gedanken machen. Einfach immer dem Pulk bunter Punkte hinterher, die sich über die Lagune bewegen. Schon schwieriger ist es die Abkürzung zu finden, von der die Rede war. Gerüchteweise soll der Rundkurs 30 Kilometer lang sein. Das ist im Kajak schon eine ganz schöne Strecke – zumal wir ja auch noch vom Campingplatz zum Markusplatz und wieder zurück paddeln müssen. Insofern wäre uns eine Abkürzung doch ganz recht. Bei einer Pause auf einer der Inseln, sehen wir zwar Boote, die schon auf dem Rückweg nach Venedig sind, aber leider wissen wir nicht, ob wir dorthin ohne Probleme kommen.

So paddeln wir weiter. Wir fragen andere Teilnehmer, die uns erklären, dass dort vorne Burano ist. Also der Wendepunkt der Vogalonga, die Hälfte hätten wir damit geschafft. Das gibt uns neue Kraft. Wir machen Pause auf Burano, wir können uns die Füße vertreten und es gibt ein Eis. Wir haben jetzt elf Kilometer auf der Uhr – das ist weniger als die Hälfte der 30 Kilometer, die laut Gerüchteküche die Runde sein soll. Auch das lässt uns aufatmen, denn nun wissen wir ja, dass die Hälfte schon geschafft ist. Und es ist weniger als gedacht.

Wir machen uns auf den Rückweg. Eine Bananenschale treibt an mir vorbei. Dann noch eine. Während ich mich noch wundere, wo denn diese Bananenschalen herkommen, sind die anderen beiden schon am Versorgungsboot, wo es Wasser und eben Bananen als Stärkung für die Teilnehmer gibt. Auch das gibt neuen Schwung für die Rückfahrt. Jetzt haben wir Venedig wieder im Blick und jeder Paddelschlag bringt uns unserem Ziel näher. Für meine beiden Begleiter im Wildwasser-Kajak habe ich nur noch Bewunderung übrig, vor allem für den Teenager. Ich kämpfe, aber es hilft nichts. Immerhin wird Venedig langsam größer.

Die Sonne brennt auf uns herab und bei San Giacomo In Paluda nutzen wir die Möglichkeit im Schatten einer Einfahrt Pause zu machen. Wir sammeln unsere Kräfte, essen einen Müsliriegel und machen uns an den Endspurt. Das GPS verrät mir, dass es nur noch eineinhalb Kilometer sind, bis wir den Stadtrand erreichen. Hoffnung. Plötzlich verschwinden die bunten Punkte vor uns nach rechts. Die Strecke führt uns noch durch Murano, also nicht direkt auf Venedig hin. Danach geht es noch einmal kurz über eine freie Fläche bevor wir an die Stadt kommen. Aber immer noch nicht geht es hinein, sondern entlang der Außenlinie, bis wir endlich links in den Canal di Cannaregio einbiegen. Venedig hat uns wieder. Ich wähne mich schon im Ziel.

Und habe die Rechnung nicht mit dem Canal Grande gemacht. In spiegelverkehrter S-Form führt er von Norden nach Süden durch Venedig. Die kürzeste Strecke zum Markusplatz ist er sicher nicht. Aber das dämmert mir nur langsam, als es sich immer weiter zieht und ich mir die Rialto-Brücke herbeisehne, denn in meinem Kopf ist sie ganz nah am Ziel. Eigentlich ist der Canal Grande wunderschön und interessant zu paddeln und normalerweise für Kajaker auch verboten. Ich kann es nicht mehr genießen. Die Blasen an meinen Händen werden immer größer. Selbst die anfeuernden Rufe der Zuschauer können mich nicht mehr motivieren. Ich will einfach nur noch ankommen. Raus aus dem Boot. Eine Pizza essen. Möglichst groß soll sie sein!

Dann, endlich: Ich sehe das Ziel, reihe mich ein in die Schlange, um meine Teilnahme beurkunden zu lassen und bin froh es geschafft zu haben. Was für ein Erlebnis!

Wir paddeln tatsächlich noch etwas weiter, denn in den weniger touristischen Gegenden von Venedig kennt jemand aus unserer Gruppe eine einfache Pizzeria und einen schönen Platz. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen! Danach geht es über die Lagune wieder zurück zum Campingplatz. Dort angekommen zeigt das GPS eine Gesamtstrecke von 42 Kilometern. Tatsächlich ein Marathon!

Wer jetzt Lust bekommen hat findet hier weitere Infos zur Vogalonga (deutschsprachig) und hier die offizielle Seite der Vogalonga.

GPS-Track: Vogalonga 2017

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