Im Tunnel an der Ardeche

Wandern durch die Ardeche-Schlucht von Sauze bis zum Bivouac de Gournier

Plötzlich verschwindet der Wanderweg entlang der Ardeche. Ein kleines, knöchelhohes Geländer zeigt an, dass es hier nicht weitergeht. Deswegen sind wir hier, denn am Tag zuvor habe ich vom Kajak aus gesehen, wie Wanderer an dieser Stelle verschwinden und etwas später ein gutes Stück unterhalb wieder erscheinen. Aber ich beginne besser von vorne.

Es ist Mittwoch, der letzte Tag unseres kurzen Urlaubs an der Ardeche. Das Wetter ist perfekt und wir wollen es nach den ersten drei Tagen die wir auf Schusters Rappen und im Kajak verbracht haben, noch ausnutzen, bevor wir die Heimreise antreten. Da liegt es natürlich nahe, auch den zweiten Teil der Schlucht vom Bivouac de Gournier bis Sauze, den die Ardeche in den Fels geformt hat, noch zu erwandern. Außerdem ist mir noch dieses Highlight im Kopf – irgendwo muss eine eine Art Tunnel durch den Fels geben. Das wollen wir uns natürlich ansehen.

Der Tag wird lang – immerhin wollen wir auch noch ein guten Stück wieder zurück fahren. Deswegen brechen wir zusammen mit meiner Schwester, die in die Arbeit muss, früh auf. Diesmal lassen wir das Auto am Parkplatz oberhalb des Bivoauc de Gournier stehen und rollen mit den Fahrrädern bergab bis an’s Ende der Schlucht bei Sauze. Naja, zumindest fast, denn ein paar Gegenanstiege liegen schon auf dem Weg. Das ist gar nicht so schlecht, denn es ist noch richtig kalt und die Anstrengung macht und warm.

Langsam machen wir uns auf den Weg – genießen die Ausblicke und die Details am Wegesrand. Felsplatten führen uns hinein in die Schlucht und schon bald balancieren wir auf einer schrägen Platte und sporadisch von Drahtseilen gesichert oberhalb der eisblauen Ardeche hinein in die Schlucht. Alles ist vom gestrigen Tag bekannt und doch ist alles neu, denn der Blickwinkel beim Wandern ist ein ganz anderer als direkt im Kajak sitzend vom Fluss aus.

Wieder entdecken wir Höhlen am Wegesrand und können es nicht lassen, sie zu erforschen. In der ersten sitzt in der hintersten Ecke eine Fledermaus und schläft. Sie lässt sich nicht beirren und so kommen wir ganz nah heran.

Der nach wie vor anhaltende Wind, weht den Geruch von Thymian durch die Schlucht, der an jeder Ecke wild wächst. Nach einer Weile kommen uns vier Wanderer entgegen und die ersten drei begrüßen wir mit einem freundlichen „Bon jour“. Während sie weitergehen, hören wir, wie sie sich auf deutsch unterhalten und fragen den vierten gleich aus, wo sie herkommen und wie es weitergeht. Zu unserer großen Freude teilen sie mit, dass sie auf dem Rückweg sind, denn bald käme ein Tunnel, durch den man nur robbend hindurch kommt und das wäre nun wirklich nicht für jemanden wie ihn mit Platzangst. Unsere Vorfreude steigt. Das hört sich ja richtig spannend an.

Bevor wir jedoch am Tunnel ankommen, müssen wir noch über eine leicht abfallende, von Wasser überspülte Felsplatte. Links von uns geht es zehn Meter in hinab, bevor die Ardeche vorbeirauscht. Hier will ich auf keinen Fall hinunter fallen und setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen.

Dann sind wir da. Ein knöchelhohes gelbes Geländer zeigt an, dass es hier nicht weitergeht. Außerdem ist am Fels auf Augenhöhe ein Bild, auf dem gezeigt wird, dass man hier auf den Bauch und in den Fels hinein muss. Auf den ersten Blick ist der Einstieg in den Tunnel gar nicht zu sehen. Also runter auf die Knie. Zu meiner Erleichterung sieht man sofort, das die Strecke auf dem Bauch und wirklich beengend nur sehr kurz ist und man sich schon nach etwa einem Meter im Tunnel wieder aufrichten kann. Dann geht es eine Leiter hinab und durch einen Felsspalt hindurch und das Tageslicht hat uns wieder.

Mittlerweile ist es richtig warm geworden, eine Abkühlung ist also angesagt und prompt finden wir eine Stelle, wo eine große, steinerne Liegefläche direkt an der Ardeche ist. Das Highlight ist aber der kleine Fels mit aus Beton gegossenen Stufen. Ein echtes Sprungbrett – das können wir natürlich nicht links liegen lassen und nutzen es ausgiebig. Als wir uns danach von der Sonne trocknen lassen, beobachten wir ein Zweierkajak mit seinen Insassen die Ardeche hinab treiben. Netter Anblick, wie der Fluss mit dem Kajak macht, was er für richtig hält. Und prompt spült er es quer vor einen mitten im Fluss stehenden Felsen. Wir überlegen, ob und wie wir helfen können, da sind die beiden schon weiter – im Rückwärtsgang die Ardeche hinab. Na dann: Viel Spaß noch!

Das Biwak kennen wir schon von unseren vorherigen Touren – diesmal treffen wir auch Anke, die Rangerin aus Stuttgart, die schon seit über 10 Jahren im Nationalpark arbeitet und unterhalten uns kurz mit ihr. Es ist einfach immer wieder interessant, wohin es Menschen verschlägt. Und warum.

Dann stehen wir am Auto. Ein wunderbares verlängertes Wochenende geht zu Ende. Das nächste Mal kommen wir für etwas länger. Aber jetzt heisst es erst einmal 10 Stunden Heimfahrt gut hinter uns zu bringen.

Kurz-Info: Wandern durch die Ardeche-Schlucht vom Bivouac de Gournier bis Sauze

  • Start und Ende: Parkplatz oberhalb Bivouac de Gournier
  • Strecke (Wanderung): ca. 15 km
  • Strecke (Fahrrad): ca. 17 km
  • Zeit (Wanderung): ca. 7h
  • Zeit (Fahrrad): ca. 1,5h
  • Höhendifferenz: 240hm
  • Höhenmeter (Aufstieg): 600hm

Charakter der Wanderung

Auch dieser Abschnitt der Wanderung durch die Ardeche Schlucht ist sehr abwechslungsreich und interessant. Der natürliche Tunnel ist sicherlich das Highlight, aber auch sonst wird es immer mal wieder spannend, wenn es über glatte, von Wasser überflossene Felsplatten geht, die zum Fluß hin steil abfallen. Auf der Tour waren im Frühsommer außer uns kaum andere Wanderer – im Hochsommer könnte es sein, dass sie die Wanderwege noch etwas füllen. Die meisten Besucher der Ardeche-Schlucht sind jedoch mit Kajak unterwegs. Der Vorteil des Wanderns ist, dass man jederzeit einfach anhalten und die imposanten Felsformationen, die Höhlen und das blau glitzernde Wasser der Ardeche bewundern kann.

Weitere Hinweise

Auf dieser Tour gibt es bis zum Bivoauc de Gournier keine offizielle Möglichkeit Wasser aufzufüllen. Man kommt allerdings an einem Campingplatz vorbei, wo man zur Not sicher auch Wasser bekommt. Wer auch die zweite Hälfte der Tour wandern will, kann sich den Aufstieg zur Straße sparen und im Biwak übernachten und am nächsten Tag direkt unten in der Schlucht weitergehen.

Links

GPS-Track: Wandern in der Ardeche-Schlucht von Sauze bis zum Bivoauc de Gournier

Hinfahrt mit dem Fahrrad

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